Friedrich-Ebert-Straße / Badoglio-Hügel

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Kurzbeschreibung

In diesem Bereich der im Krieg zerstörten gründerzeitlichen Blockstruktur wich man beim Wiederaufbau bewusst vom historischen Vorbild ab. Hier zeigt sich beispielhaft der Geist der 1950er Jahre im Städte- und Wohnungsbau. Gut belichtete, freistehende achtgeschossige Wohnzeilen, hier mit markanter Zick-Zack-Fassade und charakteristischen Laubengängen, stehen in einer grünen Umgebung. Architektur steht hier in engem Zusammenhang mit einer Freiraumgestaltung, die sich am Leitbild einer Parklandschaft orientiert. Problematisch wird der Ort in den dunklen rückwärtigen Zonen um die Sporthalle, auf dem sog. Badoglio-Hügel. Für den Stadtteil hat die quer zur Friedrich-Ebert-Straße angeordnete grüne Zone (auch „Grüne Banane“ genannt) eine besondere Bedeutung. Einerseits ist sie Aufenthalts- und Erholungsbereich, andererseits erhält sie mit der Umgestaltung der Friedrich-Ebert-Straße im Bereich der Straßenbahnhaltestelle eine zentrale Funktion. Deshalb bedarf dieser Ort bei der Gestaltung mit verbesserter Querungsmöglichkeit der Straße besonderer Aufmerksamkeit.

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Geschichte

Die verschwundene Stadtkaserne

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Wo sich heute die Königstorhalle, Wohnhäuser der Nachkriegszeit und der sog. Badogliohügel befinden, zwischen Luisenstraße, Westendstraße und Nebelthaustraße, befand sich bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg der gewaltige Gebäudekomplex der Stadtkaserne. Ihr Bau wurde am 14. Februar 1811 von Jérôme Bonaparte verordnet. Der Bruder Napoleons, „König Lustik“, residierte zu dieser Zeit als König von Westphalen in dessen Hauptstadt Kassel und wollte die Stadt vom Druck der Einquartierung französisch-westfälischer Truppen entlasten. Die Kaserne sollte Platz für 3000 Mann schaffen, die Kosten dafür sollte größtenteils die Stadt Kassel übernehmen. Ursprünglich an der Holländischen Straße geplant, entschied man sich letztlich für das an der Drusel gelegene Ackerland an der Luisenstraße. Im Mai 1811 begann man mit dem Bau, nach Plänen des Oberinge­nieurs Ganzers sollte er bereits 1813 bezugsreif sein, was so jedoch nicht verwirklicht werden konnte. Als Kaserne diente dieses Gebäude nicht lange. Lediglich 1813 war eine Abteilung Garde-Husaren in der Kaserne untergebracht, diese verließ sie jedoch, als Tschernitscheff mit den Kosaken in Kassel eindrang, und kam nochmals zurück, um Kassel im Oktober 1813 mit Jérôme endgültig zu verlassen. Für Kurfürst Wilhelm I., der wieder in Kassel einzog, schien dieses unfertige Gebäude nutzlos. Man versuchte es zu verkaufen, jedoch ohne Erfolg. Von da an diente das Gebäude zahlreichen Zwecken, aber nur zeitweilig militärischen. Ab November 1819 überließ die Stadt z. B. einen großen Teil des Gebäudes als „Wilhelms-Institut“ den vereinigten Armen- und Werkhausanstalten. Später wurde es auch als Versorgungs- und Entbindungsanstalt sowie als Kinderstation für hilfsbedürftige Säuglinge, Klein- und Schulkinder benutzt. Im Ersten Weltkrieg befand sich in dem Gebäude die Suppenanstalt 2, die der Massenspeisung der armen Bevölkerung diente. In den 1920er Jahren fanden hier - angesichts der Nachkriegsnot - Quäkerspeisungen statt. Große Teile der Kaserne waren von der Stadt als Einzelwohnungen vermietet. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wohnten in der Kaserne 265 Parteien, meistens Familien, bis der große Komplex, der zum großen Teil aus einer Fachwerkkonstruktion bestand, als Opfer der Bomben völlig zerstört wurde.

aus: Matthäus, Plätze

Architektur und Stadtplanung

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Der Bereich an der Hohenzollernstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße) zwischen Annastraße und Westendstraße war bis zu den vollkommenen Zerstörungen im Krieg durch eine mehrgeschossige Blockrandbebauung im historisierenden Gründerzeitstil mit Läden im Erdgeschoss geprägt (ähnliche Häuser heute noch zwischen Annastraße und Querallee). Der Neuaufbau verzichtete auf eine Rekonstruktion und schuf in diesem Bereich eine vollkommen neue städtebauliche Situation. Das historische Foto zeigt links die Einmündung der Annastraße, rechts die der Kaiserstraße (Goethestraße) und ist in Blickrichtung Innenstadt aufgenommen.

Sehenswürdigkeiten / Besonderheiten

Entwicklungstendenzen

Badoglio-Hügel

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Nach den verheerenden Zerstörungen im 2. Weltkrieg entstand im Bereich der heutigen Königstorhalle aus Trümmerschutt ein Hügel. Die volkstümliche Bezeichnung verdankt er dem Zwangseinsatz von Italienern bei der Trümmerbeseitigung, den sog. „Badoglio-Soldaten“, die nach dem Sturz Mussolinis und dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten unter Badoglio in deutsche Gefangenschaft geraten waren.

Weblinks

  • Link 1
  • Link 2

Dateien

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Literatur

Wolfgang Matthäus (Hg.), Plätze im Westen. Geschichte(n) eines Kasseler Stadtteils, Kassel 2010

Wolfgang Matthäus (Hg.), Vom Hohenzollernviertel zum Vorderen Westen. Straßennamen, Geschichte und „Geschichtspolitik“, Kassel 2005