Bundessozialgericht / Graf-Bernadotte-Platz: Unterschied zwischen den Versionen

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Der unterhalb des Bahnhofs Wilhelmshöhe liegende Platz verdankt seine Entstehung nationalsozialistischer Stadtplanung: der Errichtung eines ausgedehnten Gedäudeskomplexes der Militärverwaltung („Generalkommando“)  und der Anlage eines mehr als 30 Meter breiten Straßenzuges, der einmal dazu gedacht war, einen in der Nähe des heutigen Bahnhofs Wilhelmshöhe geplanten Fernbahnhof zu erschließen und für militärische Aufmärsche nutzbar zu sein. Dem fiel die ursprünglich diagonal zur Wilhelmshöher Allee verlaufende Aschrottstraße und damit ein Teil des von Diagonalen geprägten Stadtgrundrisses zum Opfer, ebenso wie das Haus des „Hessischen Damenheims“ in der Nähe der Wilhelmshöher Allee.
 
Der unterhalb des Bahnhofs Wilhelmshöhe liegende Platz verdankt seine Entstehung nationalsozialistischer Stadtplanung: der Errichtung eines ausgedehnten Gedäudeskomplexes der Militärverwaltung („Generalkommando“)  und der Anlage eines mehr als 30 Meter breiten Straßenzuges, der einmal dazu gedacht war, einen in der Nähe des heutigen Bahnhofs Wilhelmshöhe geplanten Fernbahnhof zu erschließen und für militärische Aufmärsche nutzbar zu sein. Dem fiel die ursprünglich diagonal zur Wilhelmshöher Allee verlaufende Aschrottstraße und damit ein Teil des von Diagonalen geprägten Stadtgrundrisses zum Opfer, ebenso wie das Haus des „Hessischen Damenheims“ in der Nähe der Wilhelmshöher Allee.
 
Am Graf-Bernadotte-Platz steht mit dem Gebäude der Heinrich-Schütz-Schule ein herausragendes Beispiel der Architektur der 1920er Jahre einem Barock und Klassizismus monumentalisierenden Beispiel der NS-Architektur gegenüber, die immer auch den Vorstellungen und Wünschen des Führers entsprechen sollte. Die ehemalige Mädchenschule bildete den westlichen Abschluss der um 1930 geschaffenen Goetheanlage, nach der sie ausgerichtet ist, das „Generalkommando“ verweist mit seiner Südseite, dem Ehrenhof, auf eine geplante platzartige Erweiterung der Wilhelmshöher Allee. An diese Seite ist mit der Sanierung in den letzten Jahren der Haupteingang verlegt. Am Platz steht ein (wenn auch nicht offizielles) documenta-Kunstwerk Plastiken aus der NS-Zeit gegenüber, inzwischen ergänzt durch ein zeitgenössisches Werk, das sich mit der Herrschaftsarchitektur aus nationalsozialistischer Zeit auseinandersetzt.
 
Am Graf-Bernadotte-Platz steht mit dem Gebäude der Heinrich-Schütz-Schule ein herausragendes Beispiel der Architektur der 1920er Jahre einem Barock und Klassizismus monumentalisierenden Beispiel der NS-Architektur gegenüber, die immer auch den Vorstellungen und Wünschen des Führers entsprechen sollte. Die ehemalige Mädchenschule bildete den westlichen Abschluss der um 1930 geschaffenen Goetheanlage, nach der sie ausgerichtet ist, das „Generalkommando“ verweist mit seiner Südseite, dem Ehrenhof, auf eine geplante platzartige Erweiterung der Wilhelmshöher Allee. An diese Seite ist mit der Sanierung in den letzten Jahren der Haupteingang verlegt. Am Platz steht ein (wenn auch nicht offizielles) documenta-Kunstwerk Plastiken aus der NS-Zeit gegenüber, inzwischen ergänzt durch ein zeitgenössisches Werk, das sich mit der Herrschaftsarchitektur aus nationalsozialistischer Zeit auseinandersetzt.

Version vom 18. Juni 2013, 14:39 Uhr

Basisdaten
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Kurzbeschreibung

Das monumentale, 1938 eingeweihte Gebäude mit den Skulpturen der „Rossebändiger“ vor dem ehemaligen Haupteingang und die überdimensionierte Straße zeugen vom nationalsozialistischen Größenwahn. An dem architektonisch als „Pseudo-Tempel“ Macht überwältigend demonstrierenden Sitz des Wehrkreiskommandos IX und des IX. Armeekorps fanden Planungen für den Zweiten Weltkrieg statt. Die Anlage des Platzes (ursprünglich Schlieffenplatz) geht zurück auf eine nur in Teilen realisierte nationalsozialistische Planung zum monumentalen Ausbau der Stadt als Gauhauptstadt. In diesem Rahmen sollte die Straße zu einem geplanten Fernbahnhof Wilhelmshöhe jenseits der Wilhelmshöher Allee führen, gleichzeitig aber auch für militärische Paraden und Aufmärsche dienen.

Geschichte

A6 unten Richtfest Generalkommando Eberth.jpg

Der unterhalb des Bahnhofs Wilhelmshöhe liegende Platz verdankt seine Entstehung nationalsozialistischer Stadtplanung: der Errichtung eines ausgedehnten Gedäudeskomplexes der Militärverwaltung („Generalkommando“) und der Anlage eines mehr als 30 Meter breiten Straßenzuges, der einmal dazu gedacht war, einen in der Nähe des heutigen Bahnhofs Wilhelmshöhe geplanten Fernbahnhof zu erschließen und für militärische Aufmärsche nutzbar zu sein. Dem fiel die ursprünglich diagonal zur Wilhelmshöher Allee verlaufende Aschrottstraße und damit ein Teil des von Diagonalen geprägten Stadtgrundrisses zum Opfer, ebenso wie das Haus des „Hessischen Damenheims“ in der Nähe der Wilhelmshöher Allee. Am Graf-Bernadotte-Platz steht mit dem Gebäude der Heinrich-Schütz-Schule ein herausragendes Beispiel der Architektur der 1920er Jahre einem Barock und Klassizismus monumentalisierenden Beispiel der NS-Architektur gegenüber, die immer auch den Vorstellungen und Wünschen des Führers entsprechen sollte. Die ehemalige Mädchenschule bildete den westlichen Abschluss der um 1930 geschaffenen Goetheanlage, nach der sie ausgerichtet ist, das „Generalkommando“ verweist mit seiner Südseite, dem Ehrenhof, auf eine geplante platzartige Erweiterung der Wilhelmshöher Allee. An diese Seite ist mit der Sanierung in den letzten Jahren der Haupteingang verlegt. Am Platz steht ein (wenn auch nicht offizielles) documenta-Kunstwerk Plastiken aus der NS-Zeit gegenüber, inzwischen ergänzt durch ein zeitgenössisches Werk, das sich mit der Herrschaftsarchitektur aus nationalsozialistischer Zeit auseinandersetzt. Die heutige Gestaltung des Platzes verdankt sich Überlegungen und Planungen der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, die auch eine Verkehrsberuhigung zum Ziel hatten (vor allem in den Einmündungsbereichen der Querstraßen) und die ihn vor allem als Parkplatz nutzbar machen. Angesichts der Parkdrucks um den Fernbahnhof: mit oder ohne Parkgebühren?

aus: Matthäus, Plätze

Architektur

Der Gebäudekomplex des heutigen Bundessozialgerichts wurde 1935 bis 1938 als Kommandogebäude des IX. Armeekorps und Verwaltungssitz des Wehrkreises geplant und gebaut. Die damalige Bezeichnung "Generalkommando" ist besonders bei der älteren Kasseler Bevölkerung bis heute noch vielfach gebräuchlich. So handelt es sich nach seinem ursprünglichen Nutzungszweck und seinem repräsentativen Anspruch um eine nationalsozialistische Militärarchitektur (Architekt: Heeresoberbaurat Ernst Wendel, Bauleitung: Heeresbauamt).

Die Gestalt der Gesamtanlage knüpft erkennbar noch an die Geradlinigkeit und Sachlichkeit der "Moderne" aus den 1920er Jahren an (ein Beispiel steht mit der Heinrich-Schütz-Schule direkt gegenüber). Die politisch gewollte Monumentalisierung barocker und klassizistischer Formen prägt indessen die Architektursprache mit symmetrischer Gliederung der Fassaden, mit der überhöhenden Wirkung der gestalterischen Zusammenfassung der übereinander liegenden Fenster und insbesondere mit dem überdimensionierten über die gesamte Gebäudehöhe aufstrebenden Portikus (ehemaliger Haupteingang) an der Ostseite (Graf-Bernadotte-Platz). Hier, an dem ebenfalls damals neuen Straßenzug (ehemaliger Schlieffenplatz) war die eigentliche Schauseite, deren respektheischende Wirkung noch durch die Skulpturen der "Rossebändiger" beiderseits des Haupteingangs und ursprünglich auch durch einen monumentalen Reichsadler als Krönung des Portikus' gesteigert wurde. Der fünfgeschossige Gesamtbau ist eine um einen quadratischen Innenhof gruppierte Vierflügelanlage.

"Das ehemalige Generalkommando ist (ohne die modernen Anbauten, einschließlich der Skulpturen vor dem Ostportal und des Dienstwohnhauses) Kulturdenkmal aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen als charakteristisches Beispiel nationalsozialistischer Repräsentationsarchitektur." (Thomas Wiegand, Denkmaltopographie... (s.u. Literatur))

2008 bis 2009 wurde das Gebäude, in dem sich seit 1953 das Bundessozialgericht befindet, vollständig saniert (Arch: Junk und Reich mit Hartmann und Helm, Weimar). Dabei wurde der Eingan nach Süden zur Wilhelmshöher Allee verlegt und offen und einladend gestaltet. Der alte überdimensionierte Haupteingang auf der Ostseite wurde ganz aufgegeben und die monumentale Gebäudeansicht durch gestalterische Mittel heruntergestuft. Die Freifläche auf dieser Gebäudeseite wurde vollständig eingegrünt. Der neue ovale,schräg in den Innenhof gestellte Sitzungssaal (Elisabeth-Selbert-Saal) ist ein Gegenpunkt zu der axialen alten Architektur.

Sehenswürdigkeiten / Besonderheiten

Nationalsozialistische Kunst - die Rossebändiger

Das Werk der documenta 6, Anatols Traumschiff „Tante Olaga“, steht den beiden Skulpturen gegenüber, die den ehemaligen Haupteingang des heutigen Bun­dessozialgerichts flankieren. Harald Kimpel interpretiert Funktion und Intention dieser Figuren so: „Das antike Motiv der Rossebändiger - Symbol für die Macht des Menschen über die Natur - gehörte zu den bevorzugten Themen der nationalsozialistischen Ikonographie, indem es die Möglichkeit bot, die faschistischen Herrschaftsbestrebungen sichtbar auch auf die Natur auszuweiten.“ (Kunst im öffentlichen Raum, Kassel vor 1943, S. 38). Joseph Wackerle schuf die beiden Figuren, die vom Steinbildhauermeister Meinert aus München 1938 ausgeführt wurden.


Aktuelle Kunst - das „Weiche Haus“

Das jüngste Kunstwerk am Platz verdankt sich einem Wettbewerb im Zusammenhang mit der Sanierung des ehemaligen Genralkommandos, des Bundessozialgerichts, auf dessen Grundlage der Entwurf von Gabriele Obermaier verwirklicht wurde. Auf ihrer Internetseite (http://www.gabriele-obermaier.de) interpretiert Ralf Homann das Kunstwerk so: „Der Weg führt von der Wilhelmshöher Allee die leichte Anhöhe hinunter, die dem einst hier verlaufenden Bach geschuldet ist, bevor das Dritte Reich dort den Verwaltungsklotz des IX. Armeekorps errichtete. Schon der erste Blick offenbart einen bisweilen ironischen, auf jeden Fall raffinierten Akzent, der das neue Entrée des Bundessozialgerichts in Kassel bereichert. Mit ihrer diagonalen Sichtbeziehung unterläuft die Skulptur der Bildhauerin Gabriele Obermaier die strenge axiale Ausrichtung der Anlage. Alle markanten Grundkörper der Architektur sind im Weichen Haus verkleinert, gestaucht, gedehnt und gedrückt. (...) Das Weiche Haus ist ein nachträgliches Modell der Architektur, das deren bauliche Strategien dekonstruiert. Im näher kommen wird diese formale und inhaltliche Spannung zwischen Skulptur und Gebäude immer sichtbarer. Sandsteingewände, Lisenen und militärischer Zierrat, im Süden ein Ehrenhof mit Pfeilerkollonaden, an der Ostseite ein monumentaler Pfeilerportikus mit Rossebändigern und mehrläufiger Eingangstreppe: Die Nationalsozialisten inszenierten die Anlage als Pseudo-Tempel. Eine Baugestaltung, die durch Überdimensionierung einschüchtern will und einen übermenschlichen Machtanspruch behauptet. (…) Jetzt wird nicht mehr zum Pseudo-Tempel hinaufgestiegen, sondern der Staatsbürger steht der richterlichen Staatsgewalt zuerst auf Augenhöhe gegenüber, bevor er oder sie hinunterschreitet zum neuen Haupteingang. Vorbei am Weichen Haus (…) (Es) ist dem menschlichen Maß verpflichtet, von dem aus die Maßlosigkeit des Machtstaates umso deutlicher erkennbar wird. Das Weiche Haus ist ein plastischer Hinweis auf das, was im demokratischen Rechtsstaat schlicht und trocken Verhältnismäßigkeit der Mittel heißt.“

aus: Matthäus: Plätze

Bedeutung der Platzbezeichnung

Der Platz war ursprünglich Teil der vom Bahnhof Wilhelmshöhe bis zum Tannenwäldchen verlaufenden Aschrottstraße. Mit den städtebaulichen Eingriffen im Nationalsozialismus wurde er in Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Schlieffen-Platz, 1947 in Windthorstplatz umbenannt, ehe er 1949 den heutigen Namen erhielt. Die Namensgebung des Jahres 1949 setzte einen Kontrapunkt zu der militaristischen Tradition des Gebäudes, des am Platz befindlichen, noch immer so genanten "Generalkommandos", das in der Zeit der Namensgebung des Platzes das zentrale Gebäude der Bewerbung Kassels als Bundeshauptstadt war. Folke Bernadotte, Neffe des schwedischen Königs Gustav V. wurde am 2. Januar 1895 in Stockholm geboren, be­suchte standesgemäß eine Militärschule und schlug die Offizierslaufbahn ein, die er aus gesundheitlichen Gründen 1933 auf­gab. Durch die Heirat (1928) mit Estelle Romaine Manville, der Tochter eines amerikanischen Multimillionärs, finanziell unabhängig, widmete er sich ve­schiedenen ehrenamtlichen Aufgaben. So schloss er sich der schwedischen Pfadfinderbewegung (Sveriges Scoutforbund) an, für die er organisatorisch tätigt war und die er als dessen Vorsitzender während des Zweiten Weltkrieges in das schwedische Verteidigungssystem integrierte (Luftschutz, Erste Hilfe). Weit bedeutsamer waren seine Aktivitäten als Vizepräsident des Schwedischen Roten Kreuzes. In dieser Funktion und im Auftrag des Internationalen Roten Kreuzes war der weltgewandte, sechs Sprachen fließend sprechende Diplomat während des Zweiten Weltkrieges erfolgreich als Vermittler zwischen den Seiten tätig. Dazu reiste er in nicht ungefährlichen Missionen vor allem auch nach London und Berlin, um mit hohen Amtsträgern der Kriegsparteien zu verhandeln - aus Deutschland insbesondere auch mit Heinrich Himmler. Dabei gelang ihm der Austausch zahlreicher Kriegsgefangener, vor allem aber die Befreiung von mehreren zehntausend Häftlingen der Konzentrationslager. Himmler wandte sich im Frühjahr 1945 an Folke Bernadotte mit der Bitte um Vermittlung und traf sich mit ihm am 24. April 1945 in Lübeck in der Hoffnung über Bernadotte Kontakte mit den westlichen Alliierten zu bekommen - in der Illusion befangen, mit diesen einen Separatfrieden abschließen zu können, um dann gemeinsam den Kampf gegen die Sowjetunion zu führen. Dieses realitätsferne Angebot gelangte über das schwedische Außenministerium an die Alliierten, die es selbstverständlich ablehnten und Stalin informierten. Hitler, der dies erfuhr, begriff dies als Verrat, enthob Himmler aller Ämter und stieß ihn aus der Partei aus. Gleich nach Ende des 2. Weltkrieges organisierte Bernadotte (seit 1946 Präsident des Schwedischen Roten Kreuzes) Lebensmittel-, Kleider- und Medikamentenspenden für die zerstörten Gebiete, vor allem auch für Deutschland. Schulkinder erhielten aus der "Schwedenspende" Schulspeisung. Am 20. Mai 1948 beauftragten Sicherheitsrat und Generalversammlung der Vereinten Nationen Bernadotte mit einer Vermittlung im jüdisch-arabischen Konflikt im Nahen Osten. Kurz zuvor waren dort auf Grund der israelischen Unabhängigkeitserklärung arabische Armeen einmarschiert, der seit Jahrzehnten existierende Konflikt war eskaliert. Nach rastloser Vermittlungstätigkeit gelang es Bernadotte am 11. Juni eine 30tägige Waffenruhe zu erreichen, die allerdings bereits Anfang Juli von Israel nicht mehr eingehalten wurde. Bernadotte wandte sich vom UN-Teilungsplan aus dem Jahr 1947 ab und entwickelte eigene Pläne zur Ordnung des Landes, die unter anderem eine Union der beiden Volksgruppen beinhaltete und den palästinensischen Flüchtlingen ein Rüc­kkehr­recht einräumte. Sowohl Israel als auch die arabischen Staaten akzeptierten diese Vorschläge nicht, insbesondere die Radikalen auf beiden Seiten machte sich Ber­­na­dotte­ zu Feinden. Morddrohungen und -versuche hielten ihn jedoch nicht von der Fortsetzung seiner Vermittlungstätigkeit ab. Auf israelischer Seite betrachtete besonders die Untergrundorganisation LEHI, zu deren Führern Yitzak Shamir, der spätere israelische Premierminister (1986-92), gehörte, Bernadotte als Bedrohung und als Hindernis auf dem Weg zu einem "Großisrael". Am 17. September 1948 stellte sich ein Jeep der LEHI-Terroristen einem Konvoi der Vereinten Nationen unter der Flagge des Internationalen Roten Kreuzes und mit dem Fahrzeug Bernadottes in den Weg und brachte ihn zum Stehen. Folke Bernadotte und der französische Oberst Serraut wurden erschossen. Sie hatten dem Frieden im Wege gestanden. An den Graf-Bernadotte-Platz schließt sich heute die Dag-Hammarskjöld-Straße an. Dort, wo früher die Nationalsozialisten auf einer Prachtstraße den Militarismus pflegen wollten, sind heute die Vereinten Nationen als Ausdruck multilateraler Konfliktvermeidung und -regulierung präsent.

aus: Matthäus, Hohenzollernviertel

Weblinks

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Dateien

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Literatur

Wolfgang Matthäus (Hg.), Plätze im Westen. Geschichte(n) eines Kasseler Stadtteils, Kassel 2010

Wolfgang Matthäus (Hg.), Vom Hohenzollernviertel zum Vorderen Westen. Straßennamen, Geschichte und „Geschichtspolitik“, Kassel 2005

Thomas Wiegand, Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Stadt Kassel II, hg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 2005